Trainerwissen · Von Pep
Trainerschein im Jugendfußball: Welche Trainerlizenz passt zu mir?
Du trainierst eine Jugendmannschaft und fragst dich, ob du dafür einen Trainerschein brauchst? Die ehrliche Antwort lautet: Nicht das Alter deiner Mannschaft allein entscheidet. Maßgeblich sind die konkrete Spielklasse, die Ausschreibung des Wettbewerbs, die Regeln deines Landesverbandes und mögliche Vorgaben deines Vereins.
Für viele Einstiege im Breitensport ist nicht automatisch eine bestimmte Lizenz vorgeschrieben. Trotzdem kann eine Qualifizierung sehr sinnvoll sein: Sie gibt dir Sicherheit beim Planen, Coachen, Führen und Reflektieren. Dieser Guide zeigt dir, welche Angebote es aktuell gibt, wofür sie gedacht sind und wann du die verbindlichen Vorgaben deines Verbandes prüfen musst.
Das Wichtigste in Kürze
- Das Kindertrainer- und das Jugendtrainer-Zertifikat umfassen nach aktuellem DFB-Angebot jeweils 20 Lerneinheiten.
- Der DFB-Basis-Coach umfasst 40 Lerneinheiten und ist der Einstieg in das Lizenzsystem.
- Die C-Lizenz umfasst 120 Lerneinheiten und richtet sich an den Breitenfußball auf Kreis- und Bezirksebene.
- Die B-Lizenz umfasst ebenfalls 120 Lerneinheiten und bildet den Einstieg in den leistungsorientierten Fußball.
- B+, A, A+ und Pro sind keine einfache gerade Treppe. Sie führen in unterschiedliche Tätigkeitsfelder des leistungsorientierten Jugend-, Erwachsenen- und Profifußballs.
- Ob eine Lizenz für deine konkrete Mannschaft vorgeschrieben ist, steht in der aktuellen Wettbewerbs- oder Spielordnung. Verlasse dich nicht auf allgemeine Aussagen aus Foren oder alten Vereinsunterlagen.
In drei Schritten zur passenden Qualifikation
1. Aufgabe klären: Welche Altersklasse und welche konkrete Spielklasse trainierst du? Bist du neu im Traineramt, dauerhaft im Breitenfußball tätig oder willst du gezielt in den leistungsorientierten Bereich wechseln?
2. Verbindliche Regel prüfen: Öffne die aktuelle Ausschreibung deiner Liga und die Ausbildungsseite deines Landesverbandes. Eine Altersklasse allein entscheidet nicht über eine Lizenzpflicht.
3. Lernbedarf wählen: Suche nicht automatisch den höchsten Schein. Wähle das Angebot, das deine nächste praktische Aufgabe löst – zum Beispiel altersgerechte Organisation, Planung und Coaching oder anspruchsvollere Arbeit im leistungsorientierten Jugendfußball.
Ändern sich Spielklasse, Verband oder DFB-Ausbildungsordnung, prüfst du den Weg erneut. PlayLevel ersetzt keine verbindliche Auskunft des zuständigen Verbandes.
1. Kindertrainer- und Jugendtrainer-Zertifikat
Der DFB und seine Landesverbände bieten niedrigschwellige Zertifikate für den Nachwuchsfußball an. Das Kindertrainer-Zertifikat richtet sich an Bambini bis E-Jugend, das Jugendtrainer-Zertifikat an D- bis A-Jugend. Nach aktueller DFB-Darstellung umfassen beide Angebote jeweils 20 Lerneinheiten, zwei Präsenztage und Online- beziehungsweise Anwendungsphasen im eigenen Verein. Die konkrete Kalenderdauer und die Termine legt der Landesverband fest.
Das Zertifikat passt zu dir, wenn du neu beginnst und schnell eine belastbare Grundlage für deine aktuelle Altersklasse suchst. Du lernst nicht „alle Übungen“, sondern erhältst einen Rahmen: Wie plane ich altersgerecht? Wie aktiviere ich alle Spieler? Wie trete ich sicher vor einer Gruppe auf? Wie gehe ich mit unterschiedlichen Voraussetzungen um?
Das Zertifikat ist eine sinnvolle Einstiegsqualifikation, aber nicht automatisch die formale Voraussetzung für jeden weiteren Weg. Prüfe die aktuelle Ausschreibung des Lehrgangs bei deinem Landesverband.
2. DFB-Basis-Coach
Der DFB-Basis-Coach umfasst 40 Lerneinheiten. Er ist ein niedrigschwelliges Angebot unterhalb der Lizenzstufen und zugleich Teil der C-Lizenz. Der frühere Teamleiter-Lehrgang ist nicht mehr der aktuelle Standardweg.
Der Basis-Coach passt besonders, wenn du bereits regelmäßig trainierst und dein Handwerk systematisch verbessern möchtest: Einheiten strukturieren, Lernziele formulieren, Spiel- und Übungsformen beobachten, verständlich coachen und die eigene Rolle reflektieren.
Wenn du noch nicht sicher bist, ob du die vollständige C-Lizenz zeitlich schaffst, ist der Basis-Coach ein sinnvoller eigenständiger Schritt. Möchtest du die C-Lizenz anschließen, klärst du vor der Buchung beim Landesverband, wie der absolvierte Basis-Coach angerechnet wird.
3. C-Lizenz
Die C-Lizenz ist die erste Lizenzstufe. Sie wird durch die Landesverbände durchgeführt und umfasst 120 Lerneinheiten: 40 Lerneinheiten DFB-Basis-Coach und 80 profilspezifische Lerneinheiten. Angeboten werden die Profile Kinder, Jugend und Erwachsene.
Als Tätigkeitsfeld nennt der DFB Mannschaften auf Kreis- und Bezirksebene. Für einen Trainer im Jugend-Breitenfußball ist das Profil Jugend in der Regel die naheliegende fachliche Wahl. Wer überwiegend Bambini bis E-Jugend trainiert, prüft das Profil Kinder.
Zu den aktuellen DFB-Voraussetzungen gehören unter anderem Vereinsmitgliedschaft, sportärztliches Attest, erweitertes Führungszeugnis, Anerkennung der Verbandsordnungen, DFB-Basis-Coach oder DFB-Junior-Coach, Vollendung des 15. Lebensjahres und eine aktuelle Erste-Hilfe-Grundausbildung. Der zuständige Landesverband veröffentlicht die konkrete Anmeldung und kann organisatorische Nachweise genauer bestimmen.
Die C-Lizenz ist sinnvoll, wenn du dauerhaft Verantwortung im Breitenfußball übernimmst, dein Training nicht nur aus einzelnen Übungen zusammensetzen möchtest und eine fundierte Ausbildung für Planung, Coaching, Kommunikation und Mannschaftsführung suchst.
4. B-Lizenz
Die B-Lizenz ist laut DFB der Einstieg in den leistungsorientierten Fußball. Sie umfasst 120 Lerneinheiten und wird mit den Profilen Jugend und Erwachsene angeboten.
Ein direkter Einstieg ohne C-Lizenz ist im regulären Weg nicht möglich. Der DFB nennt für die Bewerbung unter anderem eine gültige C-Lizenz, die Vollendung des 17. Lebensjahres, mindestens sechs Monate Trainertätigkeit im Erwachsenen- oder Jugendbereich ab U12 und einen Bezug zum Amateurleistungsfußball. Wie dieser Bezug nachgewiesen wird, konkretisiert der jeweilige Landesverband.
Die B-Lizenz wird relevant, wenn du bewusst in den ambitionierten oder leistungsorientierten Jugendfußball wechseln möchtest oder die Spielklasse deiner Mannschaft eine entsprechende Ausbildungserlaubnis verlangt. Sie ist für die meisten Trainer einer Breitensportmannschaft kein sinnvoller erster Schritt.
Der vom DFB beschriebene Einsatzbereich umfasst viele Junioren-Mannschaften, nimmt aber die höchsten beziehungsweise besonders geregelten A- und B-Junioren-Spielklassen sowie Tätigkeiten in Leistungszentren aus. Für die verbindliche Einordnung zählt immer die aktuelle Ausschreibung deiner konkreten Liga.
5. B+ und A+: der leistungsorientierte Jugendweg
Die B+ Lizenz umfasst nach aktueller DFB-Angabe 160 Lerneinheiten. Sie erweitert den Einsatzbereich unter anderem auf bestimmte leistungsorientierte A- und B-Junioren-Spielklassen, DFB-Stützpunkte, Eliteschulen und Honorartrainer-Tätigkeiten im Nachwuchsbereich eines Landesverbandes.
Die A+ Lizenz umfasst 540 Lerneinheiten. Ihr Einsatzbereich liegt insbesondere bei Junioren-Mannschaften an anerkannten Leistungszentren in den DFB-Nachwuchsligen. Beide Stufen besitzen eigene Bewerbungs-, Erfahrungs- und Auswahlverfahren.
Für einen Trainer im normalen Jugend-Breitenfußball sind diese Stufen kein notwendiges Ziel. Sie werden erst relevant, wenn du dich gezielt in den überregionalen Leistungs- und Nachwuchsfußball entwickeln willst und die dafür verlangte Praxis nachweisen kannst.
6. A und Pro: Erwachsenen- und Profifußball
Die A-Lizenz umfasst aktuell 360 Lerneinheiten. Ihr Tätigkeitsfeld liegt vor allem im höherklassigen Erwachsenenfußball sowie in festgelegten Verbandsfunktionen. Sie ist nicht einfach „die nächste Jugendtrainer-Lizenz“.
Die Pro Lizenz umfasst 700 Lerneinheiten und berechtigt über die anderen Stufen hinaus zu Tätigkeiten in den Lizenzligen, der 3. Liga, bei DFB-Nationalmannschaften und weiteren Spitzenfunktionen. Sie ist eine Ausbildung für den professionellen Fußball und besitzt ein eigenes Aufnahme- und Assessmentverfahren.
Welche Qualifikation passt zu deiner Situation?
| Deine aktuelle Situation | Sinnvoller nächster Prüfpunkt |
|---|---|
| Du hilfst erstmals bei Bambini bis E-Jugend | Kindertrainer-Zertifikat |
| Du übernimmst erstmals eine D- bis A-Jugend | Jugendtrainer-Zertifikat oder DFB-Basis-Coach |
| Du trainierst regelmäßig und willst Grundlagen systematisch lernen | DFB-Basis-Coach |
| Du arbeitest langfristig im Breitenfußball auf Kreis-/Bezirksebene | C-Lizenz im passenden Profil |
| Du willst in den ambitionierten Jugendfußball ab U12 wechseln | Voraussetzungen der B-Lizenz Profil Jugend prüfen |
| Du arbeitest im überregionalen Leistungs- oder Verbandsbereich | B+ und später gegebenenfalls A+ individuell prüfen |
| Dein Ziel ist höherklassiger Erwachsenen- oder Profifußball | A- beziehungsweise Pro-Weg direkt beim DFB prüfen |
Wann brauche ich eine Lizenz wirklich?
Eine allgemeine Tabelle nach dem Muster „U13 gleich C-Lizenz“ wäre falsch. Eine Altersklasse sagt noch nichts über die Spielklasse und die Wettbewerbsbestimmungen aus.
Gehe stattdessen in dieser Reihenfolge vor:
- Öffne die aktuelle Ausschreibung oder Durchführungsbestimmung deiner Liga.
- Suche dort nach „Trainer“, „Lizenz“, „Ausbildungserlaubnis“ oder „Mindestqualifikation“.
- Frage bei Unklarheit die Jugendleitung oder den zuständigen Landesverband schriftlich.
- Prüfe erst danach, welcher Lehrgang terminlich und fachlich passt.
Steigt deine Mannschaft in eine Spielklasse auf, für die die nächsthöhere Ausbildungserlaubnis erforderlich ist, enthält die DFB-FAQ besondere Übergangsregeln. Auch hier entscheidet der konkrete Fall; die Regel darf nicht pauschal auf jede Liga übertragen werden.
Was kosten die Lehrgänge und wie lange dauern sie?
Der DFB veröffentlicht die fachlichen Umfänge in Lerneinheiten. Termine, Kalenderdauer, Gebühren, Zuschüsse, Unterkunft und Präsenzanteile unterscheiden sich je nach Ausbildungsstufe und Veranstalter. Zertifikate, Basis-Coach, C- und B-Lizenz werden über die Landesverbände organisiert; dort findest du den für dich tatsächlich gültigen Preis.
Höhere DFB-Lehrgänge veröffentlichen eigene Gebühren und Bewerbungszeiträume. Da sich diese Angaben ändern können, werden sie hier nicht als dauerhafte Vergleichspreise festgeschrieben. Prüfe vor jeder Entscheidung die aktuelle offizielle Lehrgangsseite.
So entscheidest du sinnvoll
Wähle nicht die höchste Stufe, die du theoretisch erreichen könntest. Wähle die Qualifikation, deren Inhalte du unmittelbar in deiner Mannschaft anwenden kannst.
- Neue Trainer brauchen zuerst Sicherheit und einen einfachen Rahmen.
- Regelmäßige Trainer profitieren von strukturierter Planung und Reflexion.
- Ambitionierte Trainer brauchen nachweisbare Praxis, Feedback und anspruchsvollere Lernumfelder.
- Eine Lizenz ersetzt weder Beobachtung noch Beziehung zur Mannschaft.
Der nächste sinnvolle Schritt ist der, der dein Handeln auf dem Platz verbessert – nicht der, der auf dem Papier am beeindruckendsten aussieht.
Häufige Fragen
Brauche ich für jede Jugendmannschaft eine Lizenz?
Nein, nicht pauschal. Spielklasse, Wettbewerb, Landesverband und Verein können Anforderungen festlegen. Prüfe die aktuelle Ausschreibung deiner Liga.
Was ist der Unterschied zwischen Zertifikat und Lizenz?
Ein Zertifikat ist ein kompakter Qualifizierungsnachweis unterhalb der Lizenzstufen. Die C-Lizenz ist die erste formale Lizenzstufe im DFB-System.
Muss ich mit dem Kindertrainer-Zertifikat beginnen?
Nicht grundsätzlich. Für eine Tätigkeit bei Bambini bis E-Jugend ist es jedoch ein passgenauer Einstieg. Für ältere Jugendmannschaften kann das Jugendtrainer-Zertifikat oder der DFB-Basis-Coach besser passen.
Kann ich direkt die B-Lizenz machen?
Im regulären Weg nicht. Der DFB nennt die gültige C-Lizenz als Voraussetzung und verlangt weitere Nachweise, darunter Praxis und einen vom Landesverband konkretisierten Bezug zum Amateurleistungsfußball.
Welche Lizenz passt zu U12 bis U17?
Im Breitenfußball ist häufig die C-Lizenz Profil Jugend passend. Im ambitionierten leistungsorientierten Bereich kann die B-Lizenz Profil Jugend relevant werden. Eine Verpflichtung ergibt sich aber aus der Spielklasse und der jeweiligen Verbandsregel, nicht allein aus dem Alter.
Sind B+, A und A+ eine einzige feste Reihenfolge?
Nein. Die höheren Stufen unterscheiden zwischen Tätigkeitsfeldern im Jugend-, Erwachsenen- und Profifußball und besitzen eigene Zugangswege. Prüfe dein Zielbild direkt bei der DFB-Akademie.
Offizielle Quellen
- DFB: Basisangebote im Amateurfußball
- DFB: Kinder- und Jugendtrainer-Zertifikat
- DFB-Akademie: C-Lizenz
- DFB-Akademie: B-Lizenz
- DFB-Akademie: FAQ zu Zugangswegen
Faktenstand: 21. August 2026. Für die verbindliche Einordnung gelten die aktuelle Ausschreibung und die Regeln des zuständigen Verbandes.